Entwicklung der Trauerfloristik

Ein wichtiger Punkt in der Begräbnisplanung ist der Blumenschmuck. Ohne Blumen fehlt hier wirklich etwas. Es gibt nicht Traurigeres als eine Beerdigung ohne Blumen. Blumen als Grabbeigaben finden sich sogar schon in vorchristlicher Zeit. Schon damals scheint der Mensch erkannt zu haben, daß der mit einer Blumengabe seinen Schmerz mildern kann.
Der Brauch, Verstorbene bei ihrem Übergang vom Leben zurück zur Erde mit Blumen zu begleiten, ist Bestandteil jahrhundertealter Trauerkultur. Blumen entfalten eine tröstende Wirkung aus die Hinterbliebenen in den schweren Stunden des Abschiednehmens.
Die Wahl der Blumenart ist zwar Geschmackssache, doch sollte man Vorlieben oder Abneigungen des Verstorbenen hinsichtlich der Blumenwahl berücksichtigen. Auch die Jahreszeiten sollten sich im Blumenschuck wiederfinden. Zwiebelblumen wie Tulpen und Iris im Frühling, Sonnenblumen mit rustikalem Beiwerk im Sommer, rot-orange-gelb-grün im Herbst, rot-weiß im Winter; Ihr Gärtner und Florist berät Sie sicher gerne.

Von jeher sind Särge mit Pflanzlichem geschmückt worden. Florales galt als ein Zeichen der Hochachtung und Ehrerbietung. Oft wurden dazu grüne Palmwedel verwendet, das Symbol für Leben und Auferstehung. Aus diesem Grund findet sich auch heute noch der Palmwedel als Holzapplikation auf vielen Särgen. Den Aspekt des lebendigen Grüns erbringen heutzutage Pflanzen wie Buchsbaum oder Lorbeer. Mit ihnen wird die Trauerhalle dekoriert. Der Sarg selbst wird mit Blumen geschmückt.

Auch der Kranz hat eine traditionsreiche Vergangenheit. Wenn Blätter und/oder Blüten ringförmig angeordnet, gesteckt, gelegt, gebunden oder geflochten werden, so bezeichnet man das Ergebnis dieser Tätigkeit als „Kranz“. Im klassischen Altertum trugen trugen Fürsten und Könige einen aus Blätter- und Blütenzweigen gefertigten Kranz als Zeichen ihrer Amtswürde. Später hat sich daraus die Krone entwickelt. Die Verwendung der Kranzform hatte schon immer eine symbolische Bedeutung. Die klassischen Völker stellten ihre Götter oftmals bekränzt dar. Die Griechen und Römer trugen Kränze bei Gastmahlen und Göttermahlen. Bei letzteren waren diese Kränze aus den Zweigen desjenigen Baumes gewunden, der dem jeweiligen Gott geheiligt war.  Die römischen Ritter trugen Olivenkränze, den Siegern wurden Lorbeerkränze überreicht. Diejenigen Sieger, welche kein Blut vergossen hatten, schmückte man mit Myrthenkränzen – auch heute noch Zeichen der Unschuld.

Auch das Totenlager und die Grabstätten wurden von den Griechen und Römern mit Blumen- und Laubkränzen geschmückt.
So sind auf Denkmälern Reliefs von Efeukränzen überliefert.
Die Kranzform spielt heute in erster Linie als Trauerkranz eine besondere Rolle. Kränze sind als letzte Gabe für unsere Toten bestimmt und sind somit Ausdruck der Liebe und Verehrung für den Verstorbenen und gleichzeitig Zeichen der Teilnahme für die Hinterbliebenen und Leidtragenden.
Nachdem der Kranz bei den Ägyptern die kreisrunde Bahn der lebensspendenden Sonne versinnbildlichte, war die Kranzform bei den Griechen Zeichen der Unsterblichkeit und bei den Germanen Symbol der Unvergänglichkeit.
Im Christentum ist die symbolische Ringform ohne Anfang und Ende  zum Zeichen der Ewigkeit geworden. Der Kranz findet Verwendung nicht nur bei der Bestattung, sondern auch an Gedenktagen wie Allerheiligen, Totensonntag oder Sterbetag.

Schade ist in diesem Zusammenhang der heutzutage bei Feuerbestattungen in der Zeitungsanzeige häufig anzutreffende Satz „von Blumen- und Kranzspenden bitten wir Abstand zu nehmen“. Aus welchem Grund soll denn dieser Tote weniger geehrt werden als der, der erdbestattet wird? Das Argument, daß keine Grabstätte vorhanden sei, auf die die Kränze gelegt werden können, zieht hier nicht: Die Blumen könnten an die Stelle gelegt werden, an der das Urnengrab entsteht oder an eine spezielle Stelle an der Urnenwand. Der Kranz hat außerdem nicht die Funktion „lange zu halten“, sondern soll einfach Zuneigung und Teilnahme ausdrücken. Bei strengem Frost oder großer Sommerhitze hält auch ein auf einen Grabhügel gelegter Kranz nicht allzu lange.
Alles in allem ein enormer Verlust jahrhundertealter Tradition. Schade.

Ursprünglich wurde dem Material des Kranzkörpers große Bedeutung beigemessen. Seine Anordnung war streng geometrisch, um sich dem Ganzen – also der Ringform – völlig unterzuordnen. So wurden auch Blumenkränze in geometrischen Mustern gefertigt. Der Blumenschmuck auf dem Grünkranz kam erst später hinzu. Anfangs in der Form eines gelegten Straußes, mittlerweile in der Form  eines üppigen, über die Kranzform hinausragenden Gesteckes (Buketts). Dieses Gesteck hat sich verselbstständigt als Trauergesteck oder Bukett und völllig von der Kranzform gelöst. Auch die Kranzform selbst wird heute wesentlich primitiver angefertigt als noch vor 50 Jahren.
Eine Entwicklung, die ich zurückführe auf den Verlust des Wissens und des Bewußtseins um althergebrachte Symbole, einhergehend mit einer Änderung der Wertigkeit im Bewußtsein der Menschen: Das Protzen mit Blütenfülle erscheint „teurer“ oder „wertvoller“ als eine saubere handwerkliche Arbeit.